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Exfter Theil

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Leipsig: F a. Brohaus. 1852.

Die Gefänge der. Serben. |

Die

Gefänge der Serben.

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7 Von

Siegfried add |

Erſter Theil.

Leipzig: F. A. Brockh aus. 1852.

Sr. kaiſerlichen Hoheit, dem Großfürften

Konſtantin Nicolajewitſch.

Inhaltsverzeichniss.

Seite Einleißncngg rannke X Fremdwörter und geographifhe Notizen... . 2. zur en XXXI

Die Jakſchitſche.

HNHUB Eodor..: 2:2 un eu 3 Jalſchitſch Stjepan - -...... ae ee ee 17 Solihitih Dimitrlie - © oo oo oe onen ne 3 lihttih Bogdan 0. een on een ernennen 38 Der beiden Jakſchitſch rauen ©. 2 220er ene 42 Janko der Cataraner und fein Sohn Stojan Jankowitſch. Into von Eälaro 22... u ae ann 4 Bie Etojan Jankowitſch die ſchöne Statia erwirbt. ........ ©

Bie Jankowitſch Etojan aus der türkifhen Gefangenfchaft heimfehrt. 74 Starina Nowak und feine Söhne.

Barum Nowak Haidule Wird... 2.2.2: 20er 83 Bie Grujo verlauft wird... ernennen re ne 87 Wie Radiwoj von Nowak fheiden will : 2.2.2.2. ce 0neee 95 Bie Rowak das Land von Mehmed dem Mohren befreit... - . 99 Wie Grujo ſeiner Bundesſchweſter Ikonia beiftebt ...-.. 102 Sie Orufo freie 2.2222. nn en 110 Son Grujo's treulofer Lieben ... 22.2 -er ern ne 123

Schn Haiduken.

Mibat der Hirt. 1. Wie Mihat Haiduke wird. 137

VI

2. Wie Mibat mit dem Balha frriht .. 2.22.0000... 130 3. Wie Mibat dem Wide Danitſchitſch das Leben rettet. ... . 144 Der Heine Radoiza.

1. ®ie der Meine Radoiza feine erfte Liebe freit ....... 150 2. Wie der Heine Radoiza gefangen ift, und feine zweite Liebe ſfrrieee Ning 152 3. Die Witwe und das Wuislein des Neinen Kadatya ....1%9 Iwo der. Halbule. . u acc nn lt 163 Netter Nil ass aeg 172 BWifchnitih Iowan . see nee mee en 178 Rado von Sokol...... EEE re ee 185 KSaiduk Wukoſaw's Ehfraun . .2 2.2: oo m rennen 19% Mato der Horwate .. . 20er 00. EEE TUE BER 2... 200 Luka BAlowmran: u... 2 rue 27 Bujadin und feine Söhne BEE re LE .... 210 Iwo der Zengger. Bie Iwo ein Weib bekommt............. 215 Bie Iwo mit Wutſchko Ljubitfchitih glücklos tm SEE . 336 Bie die Zengger jagen oo. core nern 242 Wie Imo zum zweiten male freit und Thadia fih von ihm losſagt 245 JIwo des Zenggerd Schmwefler . . 2. meer 258 Der junge Marian... .. . Er ee 25 te Iwo ſtirbt............. 261

Brlönterunget Saum. san, 26%

Einleitung.

Die folgenden Blätter haben nicht den Zweck, eine bisher nicht gefannte Richtung der Volkspoeſie befannt zu geben und deren Erfheinungen in der Literatur einzufübs ren. Dies bat fhon Goethe gethan und nah ihm Pie Zelvj, und zwar jener mit einem ebenfo merkwürdigen und fihern Herausfühlen des tiefpoetifhen Elementes, wie diefe mit ausgedehnter und tiefer Sachkenntniß. Es fol in ihnen an die Mittheilungen, namentlid der Leptern, nur angefnüpft, der von ihr betretene Weg weiter ver- folgt werden.

Indem id biermit den Standpunkt angedeutet zu ha⸗ ben glaube, von dem ich bei der vorliegenden Arbeit aus⸗ gegangen, halte ich e& für nicht überflüffig, den Gefängen felbft einige Bemerkungen über das ferbifhe Lied übers haupt voranzufenden.

Der ſerbiſche Bolksftamm gehört, nad) den Ergebniflen ſcharfſinniger Forſchungen auf dem Gebiete der Alter⸗

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thumskunde, mit zu den früheſten Bewohnern Europas. Die wenigen Landſtriche, die dieſer Stamm nunmehr inne hat, ſind nur ein kleiner Theil der Gebiete, über die er ehedem ausgedehnt war. Einer der geiſtreichſten Forſcher, und ſeinem Beiſpiele folgend auch andere Gelehrte, glau⸗ ben ſogar in ihm den Urſtamm aller Slaven Europas erkennen zu müſſen.

Alt und urſprünglich, wie dieſer Stamm, iſt auch ſeine -Art zu dichten, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die ſerbiſche Rhapſodie, felbft in der ganzen Form und Weife, wie fie noch heutzutage lebt, ſchon in den früheften Zei⸗ ten von den ferbifhen Sängern gepflegt worden fei. Dar⸗ auf deutet, was die äußere Form anbelangt, die aufs fallende Identität zwifhen dem ſerbiſchen Liede und den älteften Denkmaͤlern flavifher Poefie in der Königinhofer Handfhrift, im Igor der Ruſſen u. f. w., darauf die innere, geiftige Verwandtſchaft deffelben mit den letztge⸗ nannten Dichtungen hin; darauf das reihe mythiſche Element in der ſerbiſchen Poeſie; darauf die tiefin- nere Verwandtſchaft mit der Urform der Iliade und Odyſſee, der griehifhen Rhapſodie nämlich; darauf aud noch, wiewol nur in untergeordnetem Grade, die Bes nusung eines mufißalifhen Inftruments zur Begleitung der Gefänge, das in feiner roben Einfachheit gewiß nur aus einer fehr früben Zeit ftammen Tann, der Gusle nämlih, fowie der merkwürdige Umftand, daß, wie bei

Un

den Griechen und auch noch bei den Spaniern, die Blinden die Träger des Gefanges, und „Blinder“ und Sänger” wentifhe Begriffe find.

Die Alteften Städe der Königinhofer Handſchrift, aus dem 9. Jahrhundert ſtammend, baben denfelben ftropbenlos aufeinanderfolgenden, ungereimten, zehnſylbi⸗ gen Vers mit dem Abſatze nad der vierten Syibe, wie ihn das ferbifhe Lied bat. Die Darftellungsweife, der ftofflide Inhalt ift zwiihen beiden von mehr ald zufälli- ger Aehnlichkeit.

Die durchwegs beidnifhe Wila, die in dem ferbifdhen Liede eine fo ausgedehnte Nolle fpielt, kann in bie ſer⸗ biſche Poeſie nur aus vorchriſtlichen Zeiten mit herüber⸗ gebracht worden ſein, da ein Volk nicht ſo wie Kunſtdich⸗ ter beliebige, ihm ferngelegene Goͤttergeſtalten in ſeine Dichtungen aufnimmt, wol aber die ſeinen aus frühern Zeiten im Gedaͤchtniſſe behalten kann, wie dies namentlich die Sprichwoͤrter der Slaven bezeugen. Die Uebertragung von Begriffen eines ſehr ausgedehnten Naturcultus auf das Ehriſtenthum, deſſen Gott und deſſen Heilige kann nur aus den Zeiten der Verbreitung des Ehriſtenthums unter diefem Volke ftammen, und zeigt wie ſchwer es ibm gewefen, fi von feinen alten Göttern zu trennen. Die Poefie war das einzige Gebiet, auf dem es feinen alten Cultus noch anhängen Fonnte, und auf diefem nahm es denn cine Verſchmelzung des Alten mit dem Neuen vor,

que

indem ed Gott wiederum perfontficirte, und feinen Heili⸗ gen die Eigenſchaften der ſcheidenden Raturgoͤtter nebft ih⸗ ren Aunctionen beilegte, 3. B. dem beiligen Eliad den Donner, der heiligen Maria den Blit, dem beiligen Pan- teleimon die Stürme, dem heiligen Georg den Frühling u. f. w.; Umflände, die das Alter der ferbifhen Poefie wenigftens auf die Zeit der Einführung des Ghriftenthums bei den Serben zurüdführen, folgeridhtig aber weit über diefelbe hinausrüden laſſen, de ja offenbar eine Poefie mit dergleihen mythiſchen Elementen früher dagewefen fein | muß, wenn dieſe in das Ghriftentbum mit binfberge- nommen werden follten.

Ein gefungenes Denkmal aus diefer Borzeit ferbifcher Poeſie ift uns jedoch nit übergefommen, wenigftens bis jest nicht befannt worden, wenn man nicht das Alter ver Kralice, Königinlieder”), die ald Nachklaͤnge des ehemaligen - Raturcultud bei gewiflen Anläffen nod gefungen werden und bie wol feither mande Ummandlung erfahren haben, fo weit hinausrücken wid.

Die Alteften Dentmäler dürften die Lieber gemifcht hriftliden und naturreligiöfen Inbalts fein, wie 3. B. das Lied von der Bertheilung der Dbforge über dic Guͤ⸗ ter und anderer Zunctionen unter die Heiligen durch Gott,

*) Siehe W. Gerhard'e, Wila“.

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-

der zu dieſem Behufe eine Berfammiung in den Him⸗ mei beruft, and äbnlide.*)

Selbſt aus den Zeiten griechiſcher und remiſer Herr⸗ ſchaft ift in das Gedaͤchtniß des Geſanges kaum mehr übers gegangen, ald Erinnerungen an Konſtantin, Trajan, Dios eistian, wiewol ſchon der Umftand, daß fich dieſe bis auf unfer Jahrhundert, und zwar blos im Munde des Wolle, ohne daß fie je aufgezeichnet worden wären, erhalten has ben, darauf hindeuten, wie viel und wie namen ſchon da⸗ mals geſungen worden fein muß.

Dad 14. Jahrhundert iſt der fſernſte Moment, bis zu welchem das Gedaͤchtniß des ſerbiſchen Geſanges zurüd- reicht. Es find dies die Tage, in welchen eine mädtige Donaftie, die der Remanja's, das bis dahin von Make⸗ donien, dann von Griechenland, fpäter von Rom und zus Iegt von den oftrömifhen Imperatoren beherrſchte, und zu Zeiten, wo dies nicht der Fall war, nie felbfithätig her⸗ oortretende Bolk zu einer gewilfen Selbſtaͤndigkeit und Bereutung zu erheben begann; die Tage Duſchan's deö Starten und feiner Nachfolger bis auf das Gindringen der Türken in Europa, und in deffen Folge den abermali- gen Verfall der ferbifden Macht am Ende des Jahrhun⸗ dertö unter Lazar, dem lehten ſerbiſchen Zaren.

Die Lieder aus jener Zeit find zum größten Theil

*) Siehe Talvj, „Serbiſche Volkslieder“.

XV

in den Büchern der Zalvj bereits mitgetheilt, und haben

in den Borlefungen über flavifhe Literatur u. f. w. durch

Mickiewiez eine wenn auch nicht erihöpfende, doch zu ihrem Bekanntwerden viel beitragende Würdigung gefun: den. Sie reihen fi alle mehr oder minder unmittelbar um dad Greigniß auf dem Zelde von Koſſowo (Schlaht zwi: fen Lazar und Murad am 15. Juni 1389), mit weldem das Leben Lazar’s und mit diefem die Selbſtaͤndigkeit des ferbifhen Volks fließt, und bilden mit den Abenteuern des Überlebenden Königfohnes Marko die Fragmente eines großen nationalen Epos, wie einft die Rhapſodien vom Trojanerzug jene der Iliade und Odyſſee. ß

Der Umftand einerfeits, daß ed nicht in -meiner Abficht lag, bereit von der Talvj Mitgetheiltes zu wiederholen, anderfeits die Bearbeitung der Ereignifle diefes Zeitrau⸗ mes in einer andern Weife, zu der mid das Intereffe da⸗ für lange vorher führte, ehe id an eine Arbeit vorliegen: der Art date”), beftimmten die Ausſcheidung der Lieder von Koffowo und von dem Königsfchne Marko aus der vorliegenden Sammlung, und den Beginn diefer mit der Zeit unmittelbar nad beiden, alfo mit dem Ende des 14. und dem Anfange des 15. Jahrhunderts.

Die Gefänge diefer Zeiten find auch ganz verſchieden von den.beiden erftgenannten großen Liedergruppen.

*) „Zürft Lazar, epifche Dichtung nad) ferbifchen Helven: gefängen” (zweite Auflage, Leipzig 1852). .

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Ve

Während in diefen Iehtern hoher Heldenſinn, tiefin- nere Religiofität,, der heilige Muth der. Selbftaufopferung, berrlihfte Männlichkeit und lieblichſte Weiblichkeit die vor- berrihenden Elemente find, treten in.den fpätern Gefän- gem ganz andere Eigenfchaften und Charakterzäge in den Vordergrund. Jene enthalten die Erinnerungen eines nun- mehr unterbrüdten Bolfs-an. feine Größe und Freiheit, diefe die Beihanung der jammervollen Gegenwart, der Knechtſchaft, des Elends.

Rur noch kurze Zeit vach der Schlacht bei Koſſowo friftete ein Theil des ſerbiſchen Volkes unter Fürſten, die eben nichts mehr ald die Steuereinnehmer der Pforte wa⸗ ren, ein Schattenleben von Selbſtändigkeit. Bald gab fi die unmiderftehlihe Gewalt des Halbmondes in all ih: rer Schwere kund, und die Wirkungen blieben nit aus. Ein Theil des ferbifhen Stammes, namentlich der vor: nehmere, nahm den Islam an, um im Befite feiner Guͤ⸗ ter zu verbleiben. Hier und da thaten ganze Landftreden das Gleiche. Ein anderer Theil wanderte über die Same und Donau, und rettete Leib und Glaube in ein fremdes Land. Noch ein anderer Theil blieb in den alten Wohn: fiten, um dem Scheine nad das Joch völliger Rechtloſigkeit und unbegrenzter Berpflihtung gu tragen, in Wirklich: feit aber einen blutigen Rachekampf gegen den Unterdrüder der Freiheit zu beginnen. In demfelben Maße als der Vebermutb der. Sieger wuchs, nahm dieler Kampf an Er:

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bitterung zu. Die zum Islam übergegangenen Serben, nunmehr neben dem Zürken die Alleinbefitenden des Lan⸗ des, legten nicht nur bald alle chriſtliche Sitte ab, fondern wurden noch härtere Berfolger ihrer chriſtlichen Stammes⸗ brüder, als die Tärken felbft. Der Kampf gegen fie und die Türken wurte zur. Tugend, ja zur beiligen, fi forts erbenden Pflicht, und es entftand das Haidukenthum, das fi mit Hintanfegung jeder andern Beiäftigung und mit Entſagung auf den Frieden des Haufes ſowol ald auf das Gluͤck der Familie diefen Kampf zur Lebensanfgabe machte.

Ein übermüthiger Spahia (Grunpbefiger), ein wollüfti- ger Paſcha, ein habfüchtiger Aga fiel einem Maja ins Haus, nahm ihm feine beften Roſſe, feine Waffen, fein Geld ab und fhändete ihm zuleht das Weib oder die Tochter. Er that die, weil er fih als Moslim und Herr des Bo⸗ dens hierzu vollkommen berechtigt glaubte. Der ausge⸗ plünderte Raja floh ins Gebirge, ſteckte dort ſeine Fahne ans und ſammelte ein Häuflein gleich Unglücklicher und gleich Muthiger um ſich. An einer unzuganglichen Stelle des Gebirges wurde ein nothdurftiger Aufenthalt bezogen, ein paar entäfteter, an eine fteile Felswand gelehnter und mit etwas Neifig und Heu bedediter Baumftämme gaben eine Hütte ab. Entweder zog nun der Beleidigte geradezu vor Die Höfe feines Zeindes, brannte diefe nieder, erſchlug den Mebeltbäter und plünderte ihn aus, oder er wartete die Gelegenheit ab, daß er ihm irgendwo begegne. Genug daran, er ließ

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nicht ab, bis er feinen Säbel in das Blut des Feindes getauht. Hierdurd wurde feine Lage nur nod unficerer. Alles, was einen islamitiſchen Namen trug, verſchwor fid gegen ihn, und es blich ihm nichts übrig, ald den Wald zu feinem zeitlebenslangen Aufenthalte und das Wegelagern zu ſeinem Geſchaͤfte zu machen, und den einmal begonnenen Kampf fortzufegen. Haiduken, die fih durch Muth und Entiäloffenheit oder font irgend eine Fertigkeit im Kampfe bervorthaten, fammelten oft eine fehr' zahlreihe Schar (deta, druzina) von glei Entſchloſſenen um fi, und wurden als Harambaſchen, d. i. Hauptleute derfelben, der Shreden von ganzen Landftriden. Selbft Paſchas und Befire verfhmähten ed dann nit, mit ihnen in gutem Einvernehmen zu ftehen. Bei der Naja aber ftanden fie in nit geringerm Anfehen, ald einft jene Nitter des Weſtens, die fi den Kampf mit den Saracenen zur Le: bensaufgabe machten. Der Begriff eines Räubers von dem eines Haiduken wurde ftreng gefondert. Raub und Diebftahl find ſchmaͤhliche Gewerbe; ins Gebirge gehen und Haidufe werden ift ein Unternehmen, das Anfehen und Ehre bringt. Die Naja fieht im Haidufen den Ein - zigen, der irgend etwas gegen den Uebermuth und die Ge: waltthätigfeit der Türken vermag, fie fieht in ihm ihren einzigen Schutz, ihren einzigen und fihern Räder. Diefer Zuftand nun im Vereine mit der Spaltung des

jerbifhen Stammes in Folge feiner Unterjohung Fonnte * * 1. |

XVU

auf den Geſang nicht ohne Rückwirkung bleiben. Nicht nur mußte die Sprade der Serben, die ſich bis dahin, einige Gräcismen abgerechnet, die in Folge kirchlicher Ber: hältniffe Eingang gefunden, in voller Reinheit erhalten hatte, durch eine Unzahl türkiſcher Worte dieſes Vorzuges- verluftig werden, ſondern der Zwieſpalt auch im Weſen der Poeſie ſelbſt ay’5 Tageslicht treten.

Die zum Iölam übergetretenen Serben, die zwar dem Glauben an das Kreuz, nicht aber aud der Sprache ihres Stammes und dem Geſange entjagt hatten, ließen bald in ihren Gefängen das islamitiſche Elemeng vorwalten. Sie fangen die Befiegung. der Chriften. Ihre Helden waren gläubige Mohamedaner, die Stoffe ihrer Lieder Unter: drüdung der Naja, Erhebung und Lobpreis islamitiſcher Kämpfer. In den Liebesliedern fpiegelte fih nad und nad jene ganze Sinnlichkeit und Leidenſchaft ab, wie fie binter den Gittern der abgeihloffenen Zrauenftuben früh: zeitig erglimmt und fortglüht. |

Im Segenfage zu ihnen fangen die dem Chriftenthum Zreugebliebenen ihren Widerftand gegen die Türken, ihren Kampf gegen die Gewaltthäter, erhoben und feierten das Chriſtenthum und priefen die Thaten ihrer Borfämpfer, der Haidufen. |

Hierzu kam nod die Berührung mit andern Nachbar: völfern, namentlih an den Küften Dalmatiens, mo dic Serben Iahrhunderte lang im innigften Berfehre mit ganz

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Ralien, indbeſondere aber mit der Republik Venedig ſtan⸗ den, ein Einfluß, der ſich nicht nur in den Stoffen vieler Deldengefänge, z. B. in dem Liede von ber Hochzeit des Iwan Zernoewitſch kundgibt, ſondern mehr noch in der ſhwnngvollen, rhetoriſchen Sprache der Liebesgeſaͤnge, Tod⸗ tenklagen und Tiſchgeſpraͤche der Bewohner Dalmatiens, und der ſich ſogar auf Wendungen, Gedanken und Bilder rd, die dem Kenner italieniſcher Volkspoeſie nicht litt entgefen.

Die meiften dieſer Lieder aber haben bierdur in vielfacher Beziehung, und nicht nur in ethiſcher, fondern auch in politiſcher, eine nicht geringe Bedeutung fuͤr die Kenntniß des ſlaviſchen Süden gewonnen. Mehr als Schil⸗ derungen und Erzählungen find fie im Stande nit nur ein lebendiges Bild der Bitten, Gebraͤuche und Lebensart des ſerbiſchen Volks anfzurollen, in deſſen Weltanſchauung and Moral tiefe Blicke zu geftatten, ſondern auch die po: liſhen Zufänpe zu beisuhten freilih niht, wie fie der Diplomat, fondern wie fie das Bolt ſelbſt auffaßt. E gibt ſogar einzelne Lieder, wie zB. jemes von den moelowitiſchen Geſchenken und türkiſchen Gegengeſchenken, die einen durchaus tiefen politiſchen Sinn haben, und bie. Mit nerkwürdigem Volksinſtincte das Biel bezeichnen, dem alles Chriſtenthum in der Türkei entgegenftrebt.

Und diefe Bedeutung iſt es au, die ich bier zunächſt als den Anlaß zur vorliegenden Sammlung bezeichnen muß.

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X >

Deng am Ende ift es ja nicht die metrifhe Form, nicht das Bild allein, um deffenwillen wir und für die Gefänge anderer Nationen intgreffiren, fondern eben mehr die tiefe Einſicht, die fie in die ethiſchen und focialen Zuftände, in die Denk⸗ und Fühlmeife, in die Gefinnungs> und Hands lungsart, in die Anfihten über Leben und Recht eined Volks gewähren. Daher au, diefes Alles zugleich mit der Zorm zur Anſchauung zu bringen, mir die Aufgabe ſchien, die man fi} bei der Mittheilung von Poefien frem- der Völker zu ftellen hat; eine Aufgabe, die allerdings durch eine lediglich wortgetreue Berfificirung einer unter: legten wortgetreuen Berfion kaum zu löſen fein bürfte, wie dies namentlich beiden ſerbiſchen Gefängen fo oft und erft in neuefter Zeit von zwei befannten oͤſtreichiſchen Dichtern verſucht worden, ſondern nicht minder die genaue Kenntniß des Volks ſelbſt und ſeiner Sprache erheiſcht, als etwa eine Ueberſetzung der Iliade oder des zerſtörten Jeruſalems die der griechiſchen und italieniſchen Sprache und das Verſtändniß des griechiſchen und italieniſchen Volkes und ſeines Geiſtes.

Günſtige Zufälle ſetzten mich frühzeitig in die Lage, mich zuerſt mit der Sprache, dann mit der Poeſie und end⸗ lich mit der Sitte und Weiſe des ſerbiſchen Volks ſelbſt in unmittelbarem Verkehre vertraut zu machen. Ob es mir gelungen, dieſe Erwerbniſſe in jener Weiſe zu verwenden, die ich mir als die einzig richtige bei der Vermittlung von

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Bolkspoefien denke, mag dem Urtbeile der Kenner anheim⸗ geftelt fein. Was ih nur nod hinzufügen möchte, bezicht fi) auf die Anordnung und auf die Form der Gefänge. Die meiften der im Folgenden mitgetheilten Gefänge, deren Driginale fi in der jüngften Sammlung bes ver: dienftreihen Wut Stefanowitih Karadihitih vorfinden und von denen ih einen großen heil felbft zu hören Ge⸗ legenbeit hatte, ftammen aus dem heutigen Fürſtenthum Serbien, aus Bosnien, aus Dalmatien, aus den Grenz: orten der Herzegowina, aus Montenegro, dann aud aus Slavonien, Syrmien, der Batſchka und dem Banate Aus dem Innern der Herzegowina und Bosniens fteht noch eine reiche Ausbeute zu erwarten. Am reiten dürfte Dalmatien vertreten fein, am wenigften das oͤſtreichiſch⸗ ferbifhe Gebiet, wo der Sinn für Bolkögefang in Folge unförderlidher Einflüffe allmählig auszufterben beginnt. Ich habe bei allen die Anordnung getroffen, daß jene Gefänge

die von einem und bdemfelben Helden gefungen werden, .

in eine Gruppe zufammengeftellt erſcheinen, um fo ein moͤglichft klares Bild davon zu geben, wie er im Gedächt⸗ niffe des Volks fortlebt.

Bad die metrifhe Form anbelangt,.jo muß id der Anfiht, der Trohäus, deſſen ih mid nad dem Vorgange Goethe's und der Talvj bediente, ſei dad Element derfelben, vorbeugen. In Wirklichkeit kennt der ſerbiſche Geſang in ſeinen Zeilen blos eine beſtimmte Zahl von Sylben, wie

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dies z. B. auch im italienifhen Gefange der Fall ift, obne Rückficht auf deren Länge und Kürze Die Annahme des fünffüßigen Trochäus, nah dem Borgange Goethe's, ift ein Ergebniß der leichtern Behandlung und des dem deutſchen Ohre mohlthuendern Falles. In den Heldengefängen ift der zehnſylbige Werd mit dem. Abfahe nah der vierten Sylbe der durdans herrſchende, und eine metriſch treme Berflon müßte nit nur diefen Einfchnitt, wie dies 2. 2. Fraukl in feiner Gusle“) verſucht hat, fordern auch Den ganzen daktiliſchen Wellengang ber Sprache nachzubilden ſu⸗ den; was theils unendlich ſchwer, theils unmoͤglich, ſtets aber dem deutſchen Ohre nichts weniger als wohlthuend wäre. Als Beiſpiele der rhythmiſchen Bewegung dieſes Zehn⸗ ſylbenmaßes mögen bier einige Zeilen folgen:

Gieda njega | Bodimska kraljica, Siehet ihn die Königin von Budim,

Pa doziva | Jakäica Todora: Nufet gleich (hernieder) Jakſchitſch Todor:

Oj sokole | Jakäicu Todore! Jakſchitſch Todor, o (du edler) Falke!

*) Wien 1851.

XXI

U m UV U UV ey Jesi li se | more ozenio? Daft du, Närrchen, Ihon ein Weib genommen?

.. NT ZU Ja djevojku | za se isprosio? Oder (do) ein Mädchen dir erbeten?

Mannichfacher tft die Sylbenzahl bei den lyriſchen Ge: fingen. Es findet fi Bie achtſholbige, im deutſchen durch den vierfüßigen Trochaͤus erſetzte Zeile; es findet ſich die zwoͤlfſylbige mit Hei Abſchnitte nach der ſechsten und auch nach der achten Sylbe vor; enblich auch bie kurze fechsſyl⸗ bige Zeile u. a m. Auch der Refrain iſt gekannt, jeboch nur zwiſchen den einzelnen Zellen, uünd aus bedentungt⸗ loſen Interjectisnen, einzelaen Worken beftehend (HT, 224) Ja, es gibt ſogat Strophenlieder (II, 255), voch blos in der Art, daß eine Strophe ganz fo wie die andere lau⸗ tet, blos mit Aenderung eines oder des andern Wortes, das fi auf eime ſtets andere Perfon oder Sache bezieht, fo 3. 8. daß in Ver erften Strophe vom Water, in der zwei⸗ ten von der Mutter, in der dritten vom Btuder, Yon Allen abet daffelbe gefungen wird, und die ledte Strophe eine Antitbefe, meift mit Bezug auf den Geliebten, enfe hält.

Diefes voransgefeht, iſt in dem Folgenden das Mes tram det Drigindie durchgehenbs wiedergegeben.

An fo hohem Stabe Bid poktiſche Seite, der Tett

XXIV 98

mödte man fagen, der ferbifhen Gefänge ausgebildet ift, in fo geringem ift e& der Gefang felbft, die melodiſche Seite. Es feheint, ald ob Bortrefflichfeit des Textes mit Vortrefflichkeit des Gefanges in der Poefie der Völker nur felten oder nie Hand in Hand geben follten. Wenigſtens muß die Thatſache auffallen, daß in demſelben Grade, in wel: chem die Geläufigkeit der Kehle cultivirt wird, bei einzel- nen Bölkern der poetiſche Gehalt des Gefungenen abnimmt, ald ob die Uebung der Kehle, das Sinnen auf fhöne Me⸗ Iodien, dad Bemühen fie fhön vorzutragen, den Geift zu ſehr in Anſpruch nähme, als daß er auch noch ſchön dichten könnte; oder ald ob ein Theil der Poeſie durch die Melodie abforbirt, und daher weniger in Worten ge: fagt würde. Man kann dies bei den Italienern beobachten, und überall, wo auf den Gefang mehr geachtet wird als auf das Wort. ;

Anders ift dies bei den Serben, Ich weiß nicht, ob bier die Unbedeutenheit der Melodic die Poefie bei voller Kraft erhalten, oder die mächtige Poefie die Melodie nicht hat auffommen laſſen. Wahrſcheinlicher ift das erfte, und hat feinen Grund in der höchſt geringen Pflege, die der Mufit unter den Serben überhaupt zugewandt wird. Dem Gottesdienſte ift fie faft ganz fremd. Sie hat daher auch feinen Weg ind Leben gefunden und friftet fi nur dürf— tig mitteld. der Sadpfeife bei Tänzen, mitteld der Tam⸗ burine bei Hochzeiten und der Gusle bei den Gefängen, _

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während bei Wölfern, bei denen Muſik einen weſentlichen heil des Gottesdienſtes ausmacht, dieje wol tief ins Le- ben eingedrungen ift, in demjelben Maße aber auch der Volkspoeſie Abbruch gethan hat. Der einzige Stamm, der etwa hiervon eine Ausnahme madt, wären die Kleinruffen.

Die Weiſe nun, nach welcher die Heldenlieder gefungen werden, ift in verjhiedenen Gegenden verſchieden, ſtets je- doch fehr einfach, ſich zwiſchen wenigen Tönen bewegen, beliebig modulirbar, und fih nur bei wichtigern Momenten oder lyriſchen Stellen zu etwas mehr melodifhem Gange erbebend. Sie lautet nad dem, was id vom Munde ei: nes Sängers in Syrmien aufzuzeichnen Gelegenheit hatte, etwa fo:

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s Vi-no pfi-je Mu-sa Ar-ba-na-sa Kühzlen Wein trinkt Mu - fa XArsba= na = fa

U Stam-bo-la u kre-mi bi -je - koj; Trinkt zu Stambol in der weisfen Scene;

Kad se Mu-sa na-ki-ti- jo vi- na, Als des Meines er ges mug ge = trun⸗-ken,

On- da po-de pi-jan bes-je-di- ti. Het er runden ale fo dan zu re= den.

Jedoch hält fih der Sänger hierbei wenig an Noten, die er natürlich nit einmal kennt, fondern ändert Zeit: maß und Tonfolge gänz fo ab, wie ed der zu fingende Vers erfodert. Dazu ftreiht er die einfaitige Gudle mit feinem Roßhaarbogen und begleitet feinen Gefang unaus- gefest in folgender Weife:

und ſo fort,

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und fo fort.

Wie in der Sylbenzahl, fo bieten die lyriſchen Ge: länge au in der Betonung mehr Mannichfaltigkeit. Gin getreues Wiedergeben diefer Betonungen iſt jedoch ſchlech⸗ terdings unmöglid. Jeder Berfuh, die Melotien durch Roten zu firiren, muß fheitern, wenn man nicht durch oftmaliges Anhören ſich mit den Gigenthümlidkeiten des ſerbiſchen Geſanges völlig vertraut gemacht, und ans ben bis zum Webermaß angebradten Goloreaturen and Betjie rungen den muſikaliſchen Grundgedanken herausfinden und zudem mit jenen Ungewöhnlicgkeiten der Harmonie fi ver: Ühnen gelernt bat, die ein nad den beftehenden Geſehen der Kunft gebildetes Ohr für ebenfo viele Sünden gegen den Generalbaß erklären würde. Nicht minder fruchtlos ift meift, nah dem Takte zu forfhen. Wie die Muſik der Alten überhaupt, und wie dies felbft bei vielen noch jegt befannten alten Melodien der Fall ift, befteht der ſerbiſche Gefang oft nur aus einer Weihe aufeinander fol- gender Töne von verfchiedener Länge oder Kürze ohne rhyth⸗ miſche Bewegung, ohne bemerfharen Einſchnitt. Jedoch gibt ed aud Lieder, namentlich Liebesliever und die beim Tanze gefangen werden, die biervon mehr oder minder eine Aus- nahme machen, wiewol Wefe mehr in den Städten, mo das

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Ohr Gelegenheit hatte, fi an außerferbifher Muſik zu bil: den, ald auf dem flahen Lande heimifch find. Als ein Bei: fpiel der einfadyften und deutlichſten Melodien möge die folgende bier aufgezeichnet fein, die ih in Syrmien von arbeitenden Mäpchen zu hören Gelegenheit hatte:

Geeigneter jedoch einen Begriff von der Betonungs⸗ weile des ferbifhen Liedes zu geben, dürfte die folgende Melodie fein, die ih in der Raͤhe von Schabaz von dem Munde eines jungen Serben aufzuzeichnen Gelegen⸗ heit nahm:

Ei Witwe, Wit = = lein,

SEE

ne na-mi-guj na ne na-mi-guj win⸗ke nit und lock' win⸗ke nicht und

na me u- do - vi - ca lock nicht! Witwe, Wit ⸗lein,

ne na-mi-guj na me oh oh oh oh win-ke nicht und Iod’ nit, o o se onen nn

oh oh oh oh ne na- mi-guj na me. o o o 0 ° winfe nidht und lod’ nid!

Durch Anmerkungen und Erklärungen babe ih den Umfang der folgenden Blätter nicht vergrößern zu follen geglaubt. Die Talvj in ihren „Volksliedern der Serben’ und Hanke in feiner „Geſchichte der ferbifhen Revolution”, ferner das Bud ‚Montenegro und die Montenegriner” tbeilen foviel über ſerbiſche Sitte und ſerbiſches Leben mit, daß ich bereits Geſagtes nur wiederholen hätte müſſen, indeß es für Diejenigen, die ſich für den Gegenſtand des vorliegenden Werkes intereſſiren, genügt, auf die genann⸗

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ten Werke hinzudeuten. Unerlaßlih jedoch ſchienen mir einige kurzgefaßte Andeutungen über Zrembwörter und geo- graphifhe Namen, die ih denn au bier glei für beide Theile des Werkes zufammengenommen folgen laffe, indem ih einige wenige &rläuterungen, die fih mehr auf bie Lieder im Ganzen und auf Stellen des Textes beziehen, jedem einzelnen heile angefügt habe.

Am Schluſſe diefer einleitenden Zeilen fei mir nod geftattet, allen Freunden, die durch Mittheilungen, Beleh⸗ rungen, Ausfünfte und Gaſtlichkeit an den fernen Ufern der Same und Donau dad Entftehen des vorliegenden Werkes fürderten, meinen innigften Dank zu fagen. Ins⸗ befondere dankbar fei jedod der ebenfo anregenden als un⸗ terrichtenden Belpredungen mit den Weteranen der fer- bifhen Literatur, Wuk Stefanowitih Karadſchitſch, und der ſprachlichen Aufihlüffe feiner Tochter und geiftigen Erbin, Wilhelmine Karadſchitſch, gedacht.

Mehadia, im September 1831.

Fremdwörter und geographilche Notizen.

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A.

Age, ein türkifher Ehrentitel, etwa Herr, Oberer, Ehreuwerther, gührer, der dem Namen angehängt wird, 4. B. Muſtaf⸗Aga.

Agaluk, die Würde eines Aga.

Akſcham (türkiſch), Abend, Abendgebet.

Alajbeg, ein gewiffer Rang unter den Zruppenobern.

Athos, der befannte Berg in Theffalien, wo der orientaliſch⸗chriſt⸗ liche Klerus fo viele Kirchen und öfter bat. Man zählt ihrer bei 500 mit 6000 Mönden,

Awala, Gebirge, füdöftlih von Belgrad. Der Bach Iaorifa nimmt darin feinen Urfprung.

B.

Balatiya, ungariſch Balaton, der Plattenſee.

Ban, Oberhaupt, Heerführer; in den Liedern, namentlich in den Dalmatinifhen, aud als Apoſtrophe an die Zodten gebraucht, um fie zu ehren,

Banat, der fünöftlihe Theil Ungarns.

Beg, ein Rangtitel; Oberer.

Belgrad, Hauptftadt des heutigen Fürftentbums Serbien.

Verdi, 1, Ort in Dalmatien, im Kreife von Eataro; 2 am ſũd⸗ oͤſtlich von Montenegro.

Boſtta, Fluß.

Bosna, Fluß in Bosnien, der fih in die Donau ergießt. An ibm liegt Sarajewo, welches daher auch Bosna⸗Saraj oder Bosan— Seraj heit.

Bredcionerin, ferbiih: Bresa, eine Flinte aus Brescia. Jahl⸗ reihe Benennungen, namentlih von Waffen, erinnern noch jegt in der poetifhen Sprache der Serten an den einft iv lebhaften

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Verkehr zwifchen Serbien und Italien, namentlidh aber der mäch⸗ tigen Handelsrepublif von Venedig. Lebtere insbeſondere war es, die auf ihren Schiffen den friegliebenden und prunfenden Serben die prachtvollſten und koſtbarſten Waffen zuführte; Waffen, die, von Geſchlecht zu Geichledht vererbt, noch jegt überall, vorzüglih aber in Montenegro und Herzegowina, zu finden find. Daher die Flin⸗ ten „Schlaufe Brescianerinnen“ oder „Benetianerinnen“ wol auch „Dimiſchkinje“, d.i, „Damascenerinnen”, heißen, legteres wegen des vortrefflihen Stables.

Budim, ungarifh: Buda, die alte Veſte Ofen in Ungarn.

Bundesbruder. Die tiefe Bedeutung der Familie für Sitte, Leben und Boefie der Serben ift bereits vielfach, und ausführlich von den Schriftftellern über diefes Volk hervorgehoben worden, und ich babe es in der Charakteriftif Murfo des Königfohnes (Eüd— flavifhe Wanderungen, I, 163) nachzuweiſen verfucht, wie das Bolt diefe Bedeutung in dem Brototype feiner Helden zu ver- förpern gewußt habe. Jedoch ald wäre ihm der Kreis, mit dem die Natur die Familie abgegrenzt hat, für die Bedürfnifie feines Herzend nod) zu enge, fucht der Serbe denjelben nod) dadurd) zu erweitern, daß er jih neben feinen angeborenen Brüdern, Schweftern u. f. w. auch nody Brüder und Echweftern auserwählt. Es ift ihm nicht genug, einen oder mehre Brüder, eine oder mehre Schweftern zu haben ; er braucht noch einen Bundeshruder (Pobratim), eine Bundesſchweſter (Posestrima), ja nicht jelten hat er aud einen Bundesvater (PooCim) und eine Bundesmutter (Pomajka), zu denen er dann im Verhältniffe eines Bundesfohnes (Posinak) ſteht. Die Gebräuche und Förmlichfeiten, unter denen dergleichen Berhältniffe geichlofien werden, find je nad) den ver fhiedenen Gegenden verſchieden. Meift jedoch, findet dies an be ftimmten Fefttagen oder bei gewifien Samilienfeierlichfeiten, als Hodyzeiten, Taufen, und bei Tanz und Spiel ftatt. Die Heiligfei- ten einer Bundeswahl find für das ganze Leben unverleglich, und man verzeiht ed Jemandem leichter, ſich mit feinem angeborenen, ald mit feinem erwählten Bruder verfeindet zu haben. Liebe, Wohlthun, Beiſtand in Gefahr, Noth und Drangfal, unbedingte Gaftlichkeit,, Theilung der Unternehmungen und Abenteuer, Furz Alles, was man Pflichten der idealſten, aufopferndften Freundſchaft nennen mödte, find Grundgeſetz des Wahlverhältniffes. Niemand ift daher verpflichtet, eine angebotene Wahl anzunehmen, Wer aber eine angenonmen, für den darf es nichts mehr geben, was er für

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den Andern nicht thun möchte. Diefe Heiligkeit Ded Bundesthumes it aber auch fo tief in die Ueberzeugung des Serben gedrumgen, dag er unbedingt und in allen Lagen des Lebens fein vollkommen⸗ ſtes Bertrauen in fie fept, wie er denn auch in Augenbliden der Gefahr oder in fchmwierigen Lagen überbaupt zu ihr feine Zuflucht nimmt. Soll er mit Jemand kämpfen, mit dem er es, aus welchem Grunde immer, nicht mödte; ift er mit Jemand in Streit gerathen, will ihm Jemand Gewalt, Unrecht, Leid anthun, fo ruft er ihn im Namen Gottes als feinen Bundeshruder an (on ga pobratimi). Es gilt dies glei, ald ob er ihn bei Bott und allen Heiligen be- ihwöre. Nimmt der Angerufene den Ruf an, fo hat au Streit und Kampf ein Ende, und der vor einem Augenblide nod fein erbitterifter Begner war, ift nun für immer fein treuefter $reund, Rimmt er ibn nicht an, jo glaubt ber Serbe wenigftend das Sei. nige und das Letzte getban zu haben, was ihm möglid) war, und hält fein Hewiſſen nicht im mindenten für bejchwert, wenn er auch den Gegner erſchlägt. „Ich babe ihn bei Gott und dem heiligen Jowan Bunbesbruber genannt; warum nahm er ed niht an?“ Ja, die Ueberzeugung von der Macht diefed Verbältniffes geht io weit, daß jelbit übermenſchliche Weſen, ja fogar Ieblofe Gegen⸗ fände, ala Bundesbrüder und Schweſtern angerufen werden, wenn man irgendwie ihres Beiftandes bedarf. Sanet Nikolaus nennt die beilige Maria, Marfo die Wila feine „Bundesſchweſter“. Der Held, der in den Kampf zieht, nennt fein Schwert, der Flüchtige, der durchs Gebirge fliebt, ſein Roß „Bundeshruder”. Das Mäp- hen nennt Die Sonne „Bundesfdmeiter und der Knabe, ver jeine Geliebte jeben möhte, Den Baum „Bundeshruder ”; jene, damit pie Sonne bein Weliebten leuchte; Diefer, damit der Baum feine Zweige ein wenig zur Eeite wende. "

©. x Carigrad (lies Zarigrad), der flaviihe Name für Konftantinopel.

Cataro (lies Kataro), fette Stadt am Tüdöftlichen Arme des Meerbuiens der Boccho di